Die Begleitung von Menschen mit Schizophrenien gehört zu den anspruchsvollsten Aufgaben in der psychosozialen Arbeit. Wahn, Halluzinationen, Rückzug oder kognitive Beeinträchtigungen können den Alltag der Betroffenen erheblich erschweren und stellen auch Fachkräfte immer wieder vor herausfordernde Situationen. Gleichzeitig eröffnen moderne Konzepte der Sozialpsychiatrie neue Perspektiven: Psychotische Erfahrungen werden heute zunehmend nicht nur als Krankheitssymptome verstanden, sondern auch im Zusammenhang mit biografischen Erfahrungen, Belastungen und individuellen Bewältigungsstrategien betrachtet.
Das zweitägige Seminar vermittelt ein aktuelles Verständnis von Schizophrenien und verbindet medizinische, psychologische und subjektorientierte Erklärungsmodelle. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Fachkräfte Menschen mit psychotischen Erfahrungen professionell, wertschätzend und recoveryorientiert begleiten können. Dabei werden diagnostische Grundlagen ebenso behandelt wie therapeutische Haltung, Beziehungsgestaltung sowie medikamentöse und psychotherapeutische Behandlungsmöglichkeiten.
Der zweite Seminartag widmet sich dem Phänomen des Stimmenhörens. Die Teilnehmenden lernen unterschiedliche Erklärungsansätze kennen und setzen sich mit der Frage auseinander, welche Bedeutung Stimmen für die Betroffenen haben können. Vorgestellt werden das Maastrichter Interview sowie praktische Gesprächs- und Interventionsmöglichkeiten, die Menschen dabei unterstützen können, einen selbstbestimmteren Umgang mit ihren Stimmen zu entwickeln.
Das Seminar verbindet theoretische Grundlagen mit zahlreichen Praxisbeispielen und bietet Raum für Reflexion, Erfahrungsaustausch und den Transfer in den eigenen beruflichen Alltag.
Seminarinhalte:
Tag 1 – Schizophrenien verstehen
➢ Krankheitsbild und diagnostische Kriterien
➢ Entwicklungshypothesen und aktuelle Erklärungsmodelle
➢ Psychodynamische Aspekte in der Begleitung
➢Therapeutische Haltung und Beziehungsgestaltung
➢ Medikamentöse und psychotherapeutische
➢ Behandlungsmöglichkeiten
➢ Die Subjektperspektive: Psychosen aus Sicht der Betroffenen verstehen
Tag 2 – Stimmenhören verstehen und begleiten
➢ Stimmenhören als subjektive Erfahrung und mögliche Bewältigungsstrategie
➢ Stimmen als Ausdruck biografischer Erfahrungen und innerer Konflikte
➢ Grundlagen des Maastrichter Interviews
➢ Gesprächsführung und Interventionen für stimmenhörende Menschen
➢ Fallbeispiele und Praxistransfer
Das Seminar richtet sich an Mitarbeitende, die Menschen mit psychotischen Erfahrungen fachlich fundiert, personenzentriert und ressourcenorientiert begleiten möchten.
Methoden:
➢ Vortrag im Dialog
➢ Fallbeispiele
➢ Rollenspiele
➢ Kleingruppenarbeit
➢ Erfahrungsaustausch im Plenum
Referentin: Anne Westerweg
Pflegeexpertin (B.A. Psychiatrische Pflege / M.A. Interdisziplinäre Psychosentherapie)
Leiterin des Weiterbildungsinstituts der LWL-Klink Hemer
Lehrgangsleitung und Dozentin in der Fachweiterbildung «Psychische Gesundheit»